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Aufzeichnungen aus der Schützenchronik ZAMS

Gemeindearchiv datiert aus den Jahren 1848 - 1905 - 1914


Aus dem Jahre 1848 ist verläßlich nachweisbar der Bestand einer Schützenkompanie unter Führung des Schützenhauptmannes Josef SEIFERT, geboren in PRUTZ im Jahre 1810. Die Kompanie zählte laut Schützenzeitung Nr. 42 vom 19. Oktober 1848 132 im Scharfschießen gut ausgebildete Mann einschließlich der Offiziere. In dieser Stärke hat die Zamser - Schützenkompanie unter dem rührigen Schützenhauptmann Josef SEIFERT an der damaligen Landesverteidigung an der Grenze gegen Italien mit der Schützenfahne teilgenommen. Die Kompanie kam mehre Male zum Einsatz, insbesonders am 11. Au­gust 1848 am STELVIO.

Insgesamt stand die Schützenkompanie unter Hauptmann SEIFERT vom 3. August bis 5. Oktober 1848 im Verteidigungseinsatz. Nach dem Ablösungsrückmarsch über Vin­schgau in die Heimat zeigte sich die Bevölkerung sehr entgegenkommend und äußerst freundlich, insbesondere in den Orten wo Rast oder Stationierung gemacht wurde. Von TRAFOY kommend traf die Kompanie in PRAD die Herrn Offiziere der Bludenzer - Schützenkompanie mit der herrlichen Musik, welche die Zamser - Kompanie bis AL­GUND begleitete. in BURGEIS wurde vom 1. auf den 2. Oktober genächtigt, wobei am 2. Tag dann NAUDERS zur Nächtigung erreicht wurde. Am dritten Tag erreichte die Kompanie PRUTZ, dort wurde genächtigt und am folgenden Tag war Rasttag, wobei die ganze Kompanie geschlossen zur Dankabstattung für die glückliche Heimkunft zur Mut­tergottes nach KALTENBRUNN wallfahrtete. Nachmittags traf aus Landeck der Herr Defensions - Distriktkommandant Johann WITTING zur herzlichen Begrüßung in PRUTZ ein, welcher nächsten Tag die Schützenkompanie nach ZAMS begleitete. Auch die Musikkapelle aus ZAMS traf schon am Vortage ein, um die Kompanie am 5. Oktober mit lustigem Spiel heimzubegleiten. Auch der am 11. August am STELVIO schwer ver­wundete Schütze Jakob NUSSBAUMER war in die Mitte der Kompanie genommen und gebührend als Held gefeiert und mit einem Lorbeerkranz umhängt. Nach einem überaus herzlichen Empfang von der ganzen Bevölkerung, begleitet von den Hochw. Klerus von LANDECK und ZAMS und durch k.k. Landgerichtspersonal, sowie dem Gemeindevor­stand Herrn Alois HAUEIS waren die Heimkehrer auf das herzlichste erfreut und innigst gerührt. Auch eine schnell improvisierte Schützenkompanie mit allerlei Bewaffnung wie Holzgewehre, Säbel und Hellebarden waren links und recht der Straße zum Empfang aufgestellt, wobei der älteste Schütze dieser Kompanie 7 Jahre alt gewesen sei. Nach dem Hochamt mit Te Deum stellte sich die Kompanie erneut auf, worauf Herr Landes­gerichts - Verwalter PLATTNER an die Schützen eine ergreifende Anrede hielt.. Nach einem Trunk beim Gasthof HAUEIS, welcher gleichzeitig Gemeindevorsteher war, wurde zu Ehren der Heimkehrer von demselben ein Scheibenschießen zum Abschluß noch veranstaltet.

Unter Führung des Hauptmannes SEIFERT soll jene mitgeführte Fahne auch um diese Zeit entstanden und eingeweiht worden sein.

Auch im Feldzug 1866 stand diese Fahne bei CUSTOZZA, VIGOLA und BEZZECA im Kampf und wurde von feindlichen Kugeln durchlöchert. An der Fahne waren einige Me­daillen aus früheren Kriegen befestigt.

In diese Zeit unter Hauptmann SEIFERT fällt auch 1859 die Erbauung des Schießstan­des im Puitle - Anger. Den Baugrund vom Kloster ZAMS erwarb Johann TAMMERL, Kaufmann und Oberleutnant der Zamser - Schützenkompanie. Ebenso trug TAMMERL allein die damaligen Baukosten des Schießstandes, welche sich auf 490 Gulden stellten und überließ der Schützenkompanie die Benützung derselben um den Jahrespacht von 5 Gulden und 60 Kreuzer.

Als Offiziere sind unter SEIFERT noch nebst TAMMERL Johann noch genannt :

KRISMER Albert Lt und als Fähnrich Josef RUDIG (vulgo Mentele).

Schützenhauptmann SEIFERT war beruflich Gemeindearzt in ZAMS und dürfte die Schützenkompanie von 1844 - 1872 geführt haben. SEIFERT starb am 13. Juli 1889 in ZAMS.

Als nächster Schützenhauptmann folgte der Müllermeister und Gutsbesitzer Josef PRANTAUER von der Lötz, geboren 1854 in ZAMS. Die Kompanie dürfte PRAN­TAUER erstmalig 1879 geführt haben und ist dieser bis 1896 vorgestanden. Hauptmann PRANTAUER war bei seinen Schützen sehr beliebt, er verfaßte persönlich neue Statuten für die Kompanie, welche noch im elterlichen Haus in der Lötz verwahrt sein sollen. Als Offiziere waren PRANTAUER noch zugeteilt :

GRÖBNER Alexander, Bahnbediensteter als Oberleutnant

THURNER Josef, BB - Lockführer, als Leutnant

SANTER Zachaus, Klosterverwalter als Leutnant

RUDIG Josef, Wagnermeister als Fähnrich (sehr bewährt).

Vor RUDIG soll durch 2 - 3 Jahre ein gewisser Johann MERAN, Bäckergeselle Fähnrich gewesen sein. Vor MERAN noch ein gewisser KRISMER Alois.

Im Jahre 1892 wurde Franz SEIFERT, Sohn des Josef SEIFERT der Kompanie als Oberleutnant zugeteilt. Auch die Oberschützenmeisterstelle führte Franz SEIFERT und besorgte die damals landsturmpflichtigen Arbeiten der k.k. Schießstand - Angelegenhei­ten.

Schützenhauptmann PRANTAUER übergab 1896 die Führung der Schützenkompanie an Franz SEIFERT, welcher dieselbe bis zum ersten Weltkrieg 1914 anführte.

Unter Hauptmann Franz SEIFERT erfolgte 1905/06 die Erbauung eines neuen Schieß­standes im Bruggfeld. Ferner führte SEIFERT als Hauptmann die Kompanie zur 1909 stattgefundenen Jahrhundertfeier nach INNSBRUCK und schließlich wurde unter SEI­FERT 1913 eine neue Schützenfahne beschaffen, obwohl eine Ausrückung der Kompa­nie nach dem Brande 1911 infolge Verlust der völlig gesamten Uniformstücke und Waf­fen nicht mehr stattfand (Anmerkung Chronist STEINWENDER : dürfte falsch sein, da Foto der Kompanie vorhanden, wo diese 1913 wieder ausrückte). Die damalige Uniform der Zamser-Schützenkompanie bestand aus schwarzer Hose, Kaiserjäger-Waffenrock und Federbusch-Hut. Als Fahnenpatin fungierte für die neugeschaffene Fahne Frau Rosa MUNGENAST, geborene GRÖBNER.

Andere Widmungen oder Urkunden aus früheren Jahren sind nicht mehr vorhanden, wohl aber über Schießstandwesen befindet sich im Gemeindearchiv-Zams eine Schützenchro­nik von 1844 bis 1910 in Verwahrung.

Ebenso befindet sich in ZAMS eine Erinnerungstafel aus dem Franzosenkrieg von 1703, wo die Zamser-Innbrücke abgebrochen wurde und 2 Generäle und ein Oberstleutnant gefangen genommen wurden.

Ergänzend wäre noch unter Hauptmann PRANTAUER nachzutragen, daß vor dem Fähnrich Sebastian RUDIG ein gewisser KRISMER Alois durch mehrere Jahre hindurch Schützenfähnrich war.


TIROLER BOTE 1894 Seite 594

Betr.: Kriegshistorisches Denkmal an der Innbrücke.


ZAMS, am 2. April 1894

Im Jahre 1703 rückten auf Befehl des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern als Verbün­deter des Königs LUDWIG XIV beim spanischen Erbfolgekrieg der bayrische General Marquis von NORION mit 1200 Grenadieren und Füssilieren und mit 150 Dragonern unter dem Befehl des Obstlt. Graf TAUFKIRCHEN nach Oberinntal. Kam am 29. Juni 1703 nach LANDECK, rückte am 1. Juli weiter gegen PRUTZ und wollte sich mit der Heeresabteilung des französischen Generals VENDOME ,der von Süden kam, vereini­gen. Auf geheime Anordnung der Gewalthaber von LANDECK wurde die Pontlatz­brücke abgebrochen und die feindliche Heeresabteilung des General NORION wurde zwischen LANDECK und der Pontlatzbrücke eingeschlossen und zugrunde gerichtet. Von dieser Heeresabteilung kamen noch im Ganzen 20 Reiter, 2 Generale und der Oberstleutnant nach ZAMS und wollte die Innbrücke übersetzen. Diese war aber abge­brochen. Und so wurde dieser Rest von den ZAMSERN gefangen genommen. Und die 2 Generale wurden, einer im Schloß LANDECK und der andere in NAUDERSBERG in­terniert. In Erinnerung an diese Heldentat hat der pensionierte Marine-Forst-Indentant Peter BOGNER bei der Zamser Brücke, wo die Gefangennahme erfolgte auf seine Ko­sten eine marmorne Gedenktafel und ein Glöcklein an der dort erbauten Kapelle mit der Inschrift anbringen lassen :

"Zur Erinnerung an das Jahr 1703, wo die Zamser Brücke abgebrochen und der Rest der feindlichen Heeresabteilung, 2 Generale und ein Oberstleutnant hier an dieser Stelle kriegsgefangen genommen wurde


TIROLER BOTE 1884, Seite 1293

Betr.: Denkmal an der Innbrücke


ZAMS, am 01 07 1884

Heute sind es 181 Jahre seit jenem denkwürdigen Tag, der für die hiesige Gegend so ruhmvoll, für unser Land so bedeutungsvoll, für unsere Feinde so schrecklich enden sollte. Seit jenem Tag, an welchen unsere Bewohner ein leuchtendes Beispiel von Tap­ferkeit, Vaterlandsliebe und Eintracht gaben. Es war im Frühjahr von 1703 als Kurfürst Max Emanuel von Bayern im spanischen Erbfolgekrieg als Verbündeter von Ludwig XIV von Frankreich mit einem Heer in unsere Berge einfiel, während vom Süden her der französische General VENDOME heranrückte. Indes Max Emanuel selbst von Innsbruck aus über der Brenner drang, schickte er den General Marquise von NORION mit 1200 Grenadieren und Füssilieren, an ihrer Spitze auserlesene Offiziere und 150 Dragoner un­ter dem Befehl des Oberstleutnant Graf TAUFKIRCHEN ins Oberinntal, damit er den Finstermünzpaß besetzen und womöglich sich mit dem General VENDOME vereinige. Diese Heeresabteilung gelangte am 28. Juni ,am Vor­abend von Peter und Paul ungehin­dert nach LANDECK. Schon sorglos gemacht, da sie nirgends einen Widerstand gefun­den. Hier jedoch in den Schluchten des Inntales zwischen Landeck und Prutz sollte ihnen ein gräßliches Ende bereitet werden. Man hatte noch keine Ahnung von der Ankunft der Feinde, als man schon Vorbereitungen traf für einen eventuellen Empfang desselben. Nichtsdestoweniger war der Anmarsch der Bayern ein ganz unerwarteter und es war keine Zeit zu verlieren, um die Verteidigungsanstalten zu beenden, da das feindliche Korps am 1. Juli schon den Weitermarsch antreten wollte. Es versammelten sich daher die Führer des Auf­standes und die Gewalthaber des Gerichtes mit unerhörter Kühnheit gerade im Gasthaus zur Post in Landeck, um im Angesicht des Fein­des sich zu beraten. Man kam endlich überein denselben ungehindert in die Talschlucht von Prutz hineinzu­lassen , die Pontlatzbrücke bei Prutz abzutragen, die Höhen zu beiden Seiten zu besetzen und an den Felsen bei der Pontlatzbrücke Steinmassen aufzuhäufen und Brustwehren zu errichten. Alles ging der Verabredung gemäß am 30. Juni von statten, in stillster Ruhe und Verschwiegenheit, trotzdem die ganze Gegend davon Kunde hatte. Am darauffol­gendem Tag trat das Korps in aller Früh den verhängnisvollem Marsch gegen Finster­münz an. Begab sich in die schauerliche schon von Natur zu einem Überfall oder zur Verteidigung geschaffenen Talschlucht, bestehend nur aus dem lautbraußenden Fluß, der Heerstraße und den steilemporsteigenden Feldwänden. Ohne Vorhut, ohne Seitenhut. Da aus ein gegebenes Zeichen verrichteten die Stutzen grausige Arbeit. Es war zu spät zum Rückzug. Der unersättliche Inn, die zermalmenden Steine und die sichertreffenden Büch­sen fanden ihre Opfer. Der größte Teil der Bayern ging zugrunde. Der Rest zog sich in eiligster Flucht nach Landeck, und von dort nach Zams zurück, um im schnellen Laufe Innsbruck zu erreichen. Am Ausgang des Dorfes LANDECK wurden von den dort am Schloßberg und an der Brücke aufgestellten Bewohner viele von den Flüchtlingen, dar­unter auch Graf PORCCIA niedergemacht. Der Kommandierende, Marquis ORION, Obstlt TAUFKIRCHEN und ein französischer Generalmajor samt einigen 20 Dragonern und den übrigen Resten der feindlichen Truppen entkamen dem Blutbad und sprengten durch LANDECK der Zamser Brücke zu. Diese war jedoch ebenfalls abgetragen und die Bewohner von ZAMS machten alle kriegsgefangen. Die Gefangenen wurden aber mit aller Mensch­lichkeit behandelt und interniert. Marquis NORION wurde auf dem Schloß NAUDERSBERG in Haft gehalten, bis er endlich im Herbst des Jahres 1703 wieder losgelassen wurde. Kein Mann blieb übrig, der dem Kurfürsten die Nachricht von der Niederlage hätte bringen können. Die Stelle an der Pontlatzbrücke, an welcher die feind­liche Abteilung vernichtet wurde, hat schon vor einigen Jahren auf Anregung des ver­storbenen K.K Statthalters in Pension Herrn Alois FISCHER einen Erinnerungsstein ge­funden, an jene auch spätesten Geschlechtern denkwürdige und ruhmvolle Tat. Das An­denken daran ist jetzt in Stein eingegraben. Aber noch unauslöschlicher lebt sie fort in dem Munde und im Gedächtnis der Nachkommen dieses tapferen Völkleins, das vom Kaiser LEOPOLD I durch einen goldenen Becher ausgezeichnet wurde. Die dort aber an der Zammer Brücke wo der Rest bestehend aus 2 Generalen einem Oberstleutnant und dem Rest des Korps kriegsgefangen wurde ist gewiß auch der Erinnerung wert. Dem patriotischem Opfersinn und dem Verdienst des Herrn Peter BOGNER K.K Marine - Forst - Intendant in Pension in ZAMS gebührt das Lob, ganz auf eigene Kosten einen Gedenkstein an diese Gefangennahme verfertigt haben zu lassen und an der Front der neugebauten Kapelle in nächster Nähe der Brücke, ungefähr an der Stelle, an welcher der Rest des Korps aufgehalten wurde zur ewigen Erinnerung heute am Jahrestag dieser Tat eingesetzt wurde zur Zierde des Dorfes und zum Stolz der Bewohner. Derselbe trägt die Inschrift:

"Zur Erinnerung an den Kampf im Jahre 1703 wo die Zamser Brücke abgetragen und der Rest der feindlichen Heeresabteilung 2 Generäle und ein Oberstleutnant hier kriegsgefan­gen genommen wurden"

Die Einsetzung dieses Steines aus kararischen Marmor ging in aller Stille vor sich. Keine Festlichkeit, keine zündeten Reden, kein Böllerknallen, ohne Wissen irgendeines, was aber nicht weniger Zeugnis ablegt, von dem edlen Patriotismus des Spenders, dessen er­ste Kundgebung das nicht ist. Nichtsdestoweniger wird auch so dieser Stein laut Zeugnis geben von der Vaterlands­liebe unserer Vorfahren, die auch in den schweren Jahren am Betr.: Wieder ein Schießstand mehr in der Welt. Beginn dieses Jahrhunderts einen so glänzenden Beweis davon gegeben haben. Und nicht ohne Wirkung für die Zukunft wird die Erinnerung, die in diesem Stein effiziert ist, auf die noch im gleichen Maße patriotischen Bewohner dieser Gegend bleiben. Das haben die letzten Jahre bewiesen.


Franz WACHTER

Lahramtskandidat



TIROLER SCHÜTZENZEITUNG 1852 , Seite 244


ZAMS, am 7. Juli 1852

In unglaublich kurzer Zeit wurde ein solcher im Dorfe ZAMS ins Dasein gerufen und wir begrüßen ihn mit jener freudigen Stimmung, mit der ein solcher begrüßt werden soll. Die Eröffnungfeierlichkeit fand am 4. dieses Monats statt. Vor dem Gatshaus des Herrn Haueis, den unsere Leser bereits kennen, sammelte sich die Schützengesellschaft und zog unter Vortritt der Musikbande durch das Dorf vor das Schießhaus unter Böllerknall und dem Rauschen der Musik. Der schützenfreundliche Herr Dekan MATHOI hält nun eine meisterhafte Anrede an Schützen und Volk über die Bedeutsam­keit des Schützenwesens unseres Vaterlandes und hob die wichtig­sten Monumente dieses Nationalinstitutes her­vor. Die Rede machte auf alle Anwesenden, die in dichten Scharen das Schießhaus um­gaben und dem schönen Momente beiwohnten, den tiefsten Eindruck. Besonders auf die Leute, welche an diesem Tage hoch vom Berg herabge­kommen waren. Nach beendigter Rede wurden unter Musik und Böllerk­nall auf seine Majestät dem Kaiser, auf das Land Tirol, auf Radetz­ky und seine Armee, auf den Herrn Festredner und die Herrn Schüt­zenmeister Toaste ausgebracht. Herr Oberschützenmeister SEIFERT bedankte sich in herzlicher Rede bei der Gemeinde und allen, die sich am Aufbau des Schießstandes betei­ligten, worauf der Hochw Herr Dekan mit dem ihm vom Unterschützenmeister TAM­MERL präsen­tierten Schlüssel die Türe des festlich geschmückten Schießstandes den Schützen für Lust und Freude öffnete. Alsdann begann das von der löblichen Schützen­vorstehung mit reich bestückten Besten ausgestattete Freischießen und wurde von Herrn Oberschützenmei­ster SEIFERT eröffnet. Den 2. Schuß machte Haueis mit einem "kohlrabenschwarz". Der neue Schießstand ist für 4 Stände gebaut, die Schießhalle ge­räumig, fröhlich ,nett und mit einem anstoßenden Trink-und Konversationszimmer ver­sehen. Auf der Kugelfangmauer prangte in der Mitte zwischen den Scheiben ein fri­schro­ter Tiroler Adler, dessen Schwingen und Krallen flott an die Mauer gepinselt sind. Rings im Bereich des Schußterrains flatterten im frischen Wind die lustigen Fähnlein. Hinter der Hauptscheibe hockte der Böller und daß er nicht müßig war, dafür sorgten die Schützen, die ein halbhundert manövrierten. Unter diesen bemerkten wir namentlich die Gebrüder Schatz, von denen einer alle 8 Hauptschüsse schwarz mit 26 Kreisen schoß. Eine mit Enthusiasmus begrüßte Erscheinung war das Eintreffen der Nachbarschützen von Land­eck, welche mit besonderer Herzlichkeit und Feierlichkeit empfangen wurden, was uns zur Hoffnung auf bleibende Männerfeste, gegenseitige Verbrüderung berechtigte. Auch aus weite­rer Umgebung fanden sich Schützengäste ein mit Unterschützenmeister SCHÖNHERR von Innsbruck, dem die Kapelle von ZAMS noch spät abends ein Ständchen mit Musik und Gesang brachte, Oberschützenmeister WITSCH von Imst und andere. Schließlich seien allen, die sich am Aufbau des schönen Werkes beteiligten der herzliche Dank Oberschützenmeister SEIFERT und dem Herrn Unterschützenmeister TAMMERL und dessen durch besonderen Großmut sich auszeichnenden Herrn Brüdern. Hoch allen Schützen und Schützenfreunden.




SCHÜTZENKOMPANIE ZAMS

von Emmerich STEINWENDER


Nach urkundlichen Quellen scheint die Thinggemeinde ZAMS bald nach 1000 n.Chr. als mächtig wohlorganisiertes Gemeinwesen auf. Dies bedeutete eine wirtschaftliche, ver­waltungsmäßige und kirchliche Einheit. Die kirchliche Einheit äußerte sich in der Zuge­hörigkeit zu einer Pfarrkirche, die verwaltungsmäßige Einheit besteht in einem gemein­samen Thinggericht, in dem ursprünglich alle 6 Wochen in einer abgehaltenen Thingver­sammlung alle öffentlichen Angelegenheiten seiner Einwohner in demokratischer Weise geregelt wurden.

In späterer Zeit, unter MEINHARD II hatte dieses Thinggericht nur mehr die niedere Gerichtsbarkeit inne und die Entscheidungsgewalt ging allmählich in die Hände beamte­ter Richter über.

Die Pfarre ZAMS ist eine der ältesten des Bistum BRIXEN. Die ursprüngliche Pfarrkir­che dem hl Apostel PETRUS geweiht, war nicht in ZAMS, sondern in STANZ in sonni­ger Lage. Hier war sicherlich der geeignetste Platz um die Thinggemeinden ZAMS und STANZERTAL zu betreuen. um 1250 wurde ZAMS zum Sitz des Pfarrers auserkoren. Als erster Pfarrer wird EBERHARD Domherr zu TRIENT genannt. Es war eine sehr reiche Pfarre, eine sogenannte Herrenpfarre.

ZAMS ist ein vordeutscher Name, der beweist, daß dieser Raum schon vor der Einwan­derung der Bayuwaren um 600 dicht besiedelt war.

Als es MEINHARD II (1258 -1295) gelungen war die gefürstete Grafschaft TIROL zu festigen schuf er für die Grafschaft eine für die damalige Zeit überaus moderne Gerichts­verfassung. In diesen Gerichtssprengeln wurde nicht nur Recht gesprochen, sondern es wurde auch die Verwaltung ausgeübt. Damit wurde ein Instrumenta­rium geschaffen, auf dem in den nachfolgenden Jahrhunderten die Landesverteidigung fußte. Ursprünglich war der Adel mit den Gefolgsleuten verpflichtet für den Landesherrn die Grenzen zu verteidigen. Ebenso hatten die Klöster eine Anzahl von Knechten für den Schutz des Landes aufzubringen. Mit dieser neuen Ordnung aber wurden auch die Bauern und Bür­ger herangezogen.


In den Weisthümern, die im 15. und 16. Jahrhundert alte Gewohnheitsrechte aufzeichne­ten finden wir im Weisthum der Thinggemeinde ZAMS und FLIESS aus dem 14. Jahr­hundert :

"Auf gemein Landgeschrei soll man auf sein Freie und Edelleute"

(Tir. Weithümer, Bd. 2 S 211 und 217)


Dieser kurz gefaßte Satz bedeutet :Das Landgeschrei ist der überall hin verbreitete Ruf, daß das Land durch eine Gefahr bedroht sei, daraufhin sollen alle Insassen des Gerichte, und zwar gleichgültig, ob sie persönlich frei sind oder nicht, mit der Wehre aufstehen und zu einem im voraus bestimmten Sammelplatz ausrücken.

Dieses Landgeschrei wurde im 15. Jahrhundert durch die Kreidfeuer abgelöst. Dieser Ausdruck kommt von kreien = schreien und bedeutet ebenfalls das Ausrücken aller wehrfähigen Männer an einen bestimmten Sammelplatz. Eine einfache Mobilmachung, die sich Jahr­hunderte gehalten hat. Im Oberland läuft diese Kette der Feuerplätze vom Arlberg über, LANDECK, NAUDERS, VINSCHGAU, MERAN nach GIRLAN bei BOZEN. Im Raum LANDECK war dieser Feuerplatz für das Kreidfeuer auf Schloß SCHROFENSTEIN.


Bereits im 13. Jahrhundert finden wir, daß Bauern eigene Wehren und Waffen besaßen, einerseits zum Schutze ihrer einsamen Höfe und andererseits zur Landesverteidigung. Der alte Ausdruck für die Waffenrüstung war "HERGEWETE". Verloren hat man das Recht des Waffentragens wenn man sich eines Verbrechens schuldig machte.

Im Jahre 1424 erließ FRIEDRICH IV., mit der leeren Tasche einen Landtagsbescheid, wonach die Gerichte Fähnlein gegen die STARKENBERGER zu stellen hatten. Auch das Gericht LANDECK kam sofort dieser Aufforderung nach und griff vor allem auf die alten Thinggemeinden ZAMS, STANZERTAL und FLIESS zurück. Sicherlich, obwohl es darüber keine namentlichen Aufzeichnungen gibt, waren auch Bauern und Bürger aus ZAMS dabei, um den angestammten Landesherrn wieder in seine Rechte einzusetzen.


Im Krieg gegen VENEDIG kam es im Jahre 1487 zur Schlacht bei CALLIANO, bei wel­cher sich Fähnlein aus dem Gericht LANDECK besonders hervortaten, sodaß Landobrist Graf Gaudenz von MATSCH nachstehndes Schreiben an das Gericht sandte:


"an die weysen, erbarm und beschaiden gemainen gerichtsleut des gerichtes LANN­DEGK meinen gueten gunnern.- mein willig dinst zuvor. Nachdem ir meinem gnedigsten herren ( Herzog SIEGMUND) zue evallen ain anzal fueßvolck in seiner gnaden veld vor ROVEREID gehalten, dieselben villaicht lenger ausbeliben, dann (als) ir vermaint hättet und deshalben schaden geliten und genommen, daz alles meinem gnedigisten herrn und euch zue guet beschehen. Nu haben sich die euren willig, vleißig und redlich gehalten, des ich euch und sy bey meinem gnedigisten herrnen beruemen und auch eure schaden zu widerlegen beholfen sein.

Geben zu Rovereid an sand Margareten abend anno 1487 "


Diese Mannschaften, die aus den Thinggemeinden ZAMS, STANZERTAL und FLIESS zusammengestellt waren, dienten länger als es die Verteidigungsordnung zuließ. Dafür setzte sich Feldobrist Gaudenz von MATSCH beim Landesherrn SIEGMUND dem Münzreichen ein, daß diese Thinggemeinden einen Steuernachlaß erhielten.


Im Krieg gegen die SCHMAKALDNER finden wir ebenso ein Freifähn­lein aus dem Ge­richt LANDECK, bestehend zur Masse aus der Thingg­emeinde ZAMS im Jahre 1546 an der Ehrnberger Klause.

Die SCHMAKALDNER zogen aber bald wieder von TIROL ab, ließen aber eine kleine Besatzung auf Schloß EHRNBERG zurück. Diese wurde aber sehr bald durch den Fel­dobristen Franz von CASTELALT vertrieben.


Im Jahre 1703 rückte auf Befehl des Kurfürsten MAX EMANUEL von Bayern, als Ver­bündeter des Königs LUDWIG XIV. beim spanischen Erbfolgekrieg der bayrische Gene­ral Marquise von NORION mit 1200 Grenadieren und Füssilieren, weiters mit 150 Dra­gonern unter dem Befehl von Obstlt. Graf TAUFKIRCHEN ins Oberinntal. An der Pont­latzbrücke wurde diese Heeresmacht vernichtend geschlagen. Ein kleiner Teil wurde an der Gerberbrücke bei LANDECK vernichtet. 20 Dragoner unter Obstlt. Graf TAUF­KIRCHEN, sowie General Marquise von NORION und der französische General VEN­DOME gelangten noch bis zur Zammer Brücke. Hier wurden sie von Landesverteidigern aus ZAMS gefangen genommen, da die Brücke abgetragen war. Die Gefangenen wurden mit aller Menschlichkeit behandelt und interniert. General Marquise von NORION wurde anschließend auf dem Schloß NAUDERSBERG in Haft gehalten.

Zur Erinnerung an diese Tat hat in aller Stille Herr Peter BOGNER K.K Marine-Forst-Intendant, in Pension in ZAMS, im Jahre 1884 am Bildstock südlich der Innbrücke (heute an der neuen Kapelle nördlich der Innbrücke) eine Marmortafel anbringen lassen mit den Worten :

"Zur Erinnerung an den Kampf im Jahre 1703 wo die Zamser Brücke abgetragen und der Rest der feindlichen Heeresabteilung 2 Generäle und ein Oberstleutnant hier kriegsgefan­gen genommen wurden."


Auf Grund von Erfahrungen aus dem Kampf an der Pontlatzbrücke, wo sich vor allen die Scharfschützen aus dem Oberen Gericht ruhm­reich geschlagen hatten wurde in der Zu­zugsordnung von 1704 unter dem Landesherrn LEOPOLD I verfügt, daß unverzüglich 12 Kompanien Scharf und Scheibenschützen aufzustellen seien. Diese Scheibenschützen wurden dann 1714 zu einem Regiment formiert. Daher gab es zu dieser Zeit in TIROL 4 Landmilizregimen­ter und ein Scheibenschützenregiment (manchmal auch Scharfschüt­zenregiment genannt). Dies war auch der Grund, daß ab dem Jahre 1714 eine große Anzahl von Schießständen errichtet wurden.


Als der Korse NAPOLEON halb Europa niedergezwungen hatte, mußte Österreich in­folge der Neuordnung im Jahre 1805 TIROL an das Königreich Bayern abtreten. Die bayrische Verwaltung war jedoch so mißliebig, daß es im Jahre 1809 unter Andreas HO­FER zum Aufstand kam. Die Vorbereitungen dazu liefen in aller Stille.

In ZAMS ließ Hermenegild HOLER, Wirt und Anwalt, die waffenfähige Mannschaft des Dorfes durch einen ehemaligen österreichischen Soldaten einexerzieren, damit diese, wie er sagte, zunächst bei der Rekrutierung die bayrische Gewalt mit Gewalt abtreiben, aber auch "für den Augenblick des Bedarfes" in Bereitschaft sein könnten.

(Tirols Erhebung 1809 von HIRN Seite 249)


Im Gerichtsbezirk LANDECK wurden insgesamt 12 Landwehrkompanien aufgestellt, die unterschiedlich lang aufgeboten wurden. Diese Kompanien waren eingesetzt : am Arl­berg, Ehrwalder Schanz, VILS, sowie bei den Bergiselschlachten. Die Dienstzeit der Kompanien waren nach Tagen geregelt. Man findet 6, 13, 22 und 35 Tage.

Bereits im April 1809 erhielt eine Kompanie, welche mit Mehrheit aus Zammern bestand den Auftrag nach EHRWALD zu marschieren, dort Patrouillendienst Richtung GAR­MISCH zu versehen. Anschließend finden wir diese Kompanie auf der Schanz bei VILS mit Patrouillentätigkeit Richtung PFRONTEN.


Diese Kompanie bestand aus 82 ZAMMERN und 57 Mann aus anderen Gemeinden. Das stärkste Kontingent stellte GRINS.

Die Kommandantschaft dieser Kompanie wurde wie folgt gewählt :

Hauptmann Thomas SCHINER

Oberleutnant Michael PAYR

Unterleutnant Franz PREGENZER

Fourier Nikolaus KRISMER

Feldwebel Fidell WALSER

Trompeter Josef Stephan SCHULER und Josef TRAXL


Bei den Kompanieangehörigen aus ZAMS finden wir Namen wie :

SCHWENINGER, PIRCHER, SCHULER, GSTIER, AUER, WACHTER, DIALER, GRÜNER, SCHIMPFÖSSL, HANDL, SCHLATTER, LADNER, GITTERLE, HAU­EIS, SALZGEBER, ZANGERL ,ZANGERLE, RUDIG, ZAGALLA, SCHEIRING, SCHÜTZ, NEURAUTER, SCHERL, REHEIS und WUCHERER.

Ebenso nahmen Landesverteidiger aus ZAMS an den Bergiselschlachten teil. An Gefalle­nen hatte die Gemeinde ZAMS zu beklagen :

PFEIFER Johann Zimmermann aus Zams :Gefallen am Galgenbichl zu IMST am l. No­vember 1809

RECHEIS Franz Bäcker zu ZAMS : erschossen im Gefecht am Höttinger Feld am l. No­vember 1809


Im Jahre 1848, als Italien die Einigung anstrebte, immer näher an den Alpenhauptkamm rückte und wieder einmal Insurgenten im südlichen Landesteil von TIROL einfielen mit der Absicht das Stilfser Joch (Stelvio) in Besitz zu nehmen wurden Landesverteidiger aus dem Gericht LANDECK aufgeboten. In der Gemeinde ZAMS wurde eine Kompanie aufgestellt und marschierte Richtung Stilfser Joch. Wie es dabei zuging lassen wir die Schützenzeitung Jahrgang 1848 Seite 275 und 276 berichten :


ZAMS, am 3. August. Heute begingen wir ein schönes Fest in unserer Gemeinde, denn es galt Gott, dem Kaiser und dem Vaterlande. Es war nämlich heute der feierliche Auszug der 172 Mann starken freiwilligen Schützenkompanie nach Südtirol. Sie war gebildet größtenteils aus der Gemeinde ZAMS, an welche sich auch die umliegenden Gemeinden SCHÖNWIES, LANDECK und FLIESS anschlossen, und hat ihr Entstehen größtenteils den rastlosen Bemühungen des Herrn Wundarztes Josef SEIFERT und des Herrn Handelsmannes Johann TAMMERL zu verdanken, von denen ersterer dieselbe als Hauptmann befehligte. Als Feldkaplan begleitete dieselbe freiwillig der Hochwürdige Herr Wendelin SPEISER. Nachdem die Ärmeren der Kompanie größtenteils durch die Gemeinde von obigen Herrn Josef SEIFERT und Johann TAMMERL (welch letzterer trotz seiner vielen Handelsgeschäfte selbst der Kompanie sich anschloß) gesammelten Beiträge gekleidet worden waren, kam endlich der Tag des Ausmarsches heran. Am Vorabend desselben verrichteten, wie es allen wahrhaft christlichen Streitern zusteht, alle Schützen ihre heilige Beichte. Am 3. August um 4 Uhr früh hielt der Hochwürdige Herr Dekan selbst ein feierliches Hochamt, unter welchem derselbe allen Schützen zur allge­meinen Erbauung die heilige Kommunion reichte. Nach dem Amte wurde von Ebendem­selben die Fahne geweiht, und mit einer kurzen aber recht rührenden Anrede den Schützen übergeben, von welchen ein jeder gleichsam zum Schwur die Fahne küßte : wahrlich nichts ziert den edlen Krieger so sehr als die Tapferkeit vereint mit echter Frömmigkeit !! Um 7 Uhr versammelte sich dann die Kompanie zum Abmarsche vor der Kirche und unter vielen und heißen Glückwünschen des zahlreich versammelten Volkes verließen dann die Schützen voll Muth in heiliger Begeisterung für Gott, Kaiser und Va­terland ihre theure Heimath. Die Musikbanda begleitete sie bis nach PRUTZ. In LAND­ECK wurde sie mit großen Ehren empfangen, und vom Herrn Amtsverwalter PLATT­NER, und Herrn Defensions - Kommissär Johann WITTING eine bedeutende Strecke begleitet, wo dann auf der ersten Anhöhe hinter LANDECK Herr Amtsverwalter mit ei­ner Anrede sie noch erfreute und dann entließ.

Jeder Tiroler aber fühlte es unausrottbar in den innersten Tiefen seines frommen, treuen und biederen Herzens, daß TIROL unüberwindbar und über alle Feinde siegreich bleiben wird, solange es einig bleiben wird in seiner heiligen Liebe für seinen heiligen Glauben - für Gott, Kaiser und Vaterland.


Über den Einsatz auf dem Stelvio lassen wir nun Hptm Josef SEI­FERT selbst berichten : (Entnommen der Schützenzeitung 1848 Seite 315 - 317 )


"In der Überzeugung, daß Ihr liebe ZAMSER, sowie alle Gemeinden, deren Söhne sich an unsere Kompanie angeschlossen, gewiß Antheil an unserem Schicksale nehmen wer­den, sehen wir uns veranlaßt, Euch über unser Befinden und unsere Schicksale einmal Nachricht zu geben.


Nachdem wir am 3. August ,von Eueren Segenswünschen begleitet, von ZAMS ausmar­schiert waren, kamen wir am 5. nach BURGEIS, wo wir bis auf weiters zu verbleiben Befehl erhielten. Am 10. früh erhielten wir durch das löbliche K.K Defensions - Di­striktskommissariat zu MALS den Befehl nach TRAFOI abzumarschieren. Um 1 Uhr nachmittags am 10. marschierten wir von BURGEIS nach TRAFOI ab, und wir waren alle umso bereitwilliger, da wir wohl voraussahen, daß es auf einen Angriff auf den wäl­schen Feind abgesehen war. Schon seit dem Tage des Ausrückens, wünschte die ganze Kompanie diesen Tag herbei, da es wohl in der Bestimmung jeder Kompanie liegt, Gele­genheit zu finden, sich mit dem Feinde zu messen, demselben zu schaden, um dadurch dem Vaterland nützen zu können. Wir kamen abends in TRAFOI an, wurden unter das Kommando des Herrn Hauptman­nes MILLANES vom Regimente WELLINGTON ge­stellt, welcher nach kurzer Frist um 10 3/4 Uhr am selben Abend den Abmarsch von TRAFOI nach der sogenannten Kaserne ( mit der öfteren Namensverwechslung ZAM­SER mit STAMSER Kompanie) unsere Kompanie ihm zu folgen beorderte. Bei der Ka­serne angelangt, beorderte Herr Hauptmann von MILLANES unseren Lieutnant Kassian SCHLAPP mit 2 Zügen unserer Kompanie Herrn Oberstlieutnant von WELLINGTON mit zwei Zügen desselben Regimentes zu folgen, und die Abteilung rückte rechts von der Kaserne über den Berg dem rechten Flügel zu; mußte aber eine andere Wendung neh­men, weil sie sich bei der Nacht zu sehr den feindlichen Verschanzungen genähert hatte. Ich mußte mit zwei Zügen unserer Kompanie mit dem Ober - und Unterlieutnant Johann und Roman TAMMERL dem Herrn Hauptmann MILLANES von WEL­LINGTON mit zwei Zügen desselben Regimentes folgen. Wir marschier­ten der Straße nach bei der so­genannten Cassetta bis halbe Schußweite vom Anfang der Galerien an der rechten Seite des Monte Libero neben den Verschanzungen und Positionen des Feindes vor, wurden aber von terrainkundigen Schützen aufmerksam gemacht, daß wir hier, wenn der Feind uns bemerkt, gerade am gefährlichsten Punkte, und dem Kreuzfeuer des Feindes ausge­setzt seien, worauf Herr Hauptmann rechts über den Berg der Korspitze zu marschieren ließ. Kaum waren wir gegen den sogenannten Kleinboden vorgerückt, hörten wir die er­sten Plänklerschüsse, als auch gleichzeitig die zwei Kanonen auf unserem linken Flügel gegen den Monte Libero und die Ferdinandshöhe, eine Haubitze auf unserem rechten Flügel gegen die feindliche Schanze das Feuer eröffneten. Auf dem sogenannten Klein­boden erwarteten wir weitere Befehle, und obwohl die Abtheilung unserer Kompanie im Zentrum bleiben sollte, so ließen sich doch die meisten nicht zurückhalten und zogen ge­gen die ersten Verschanzungen der Feinde, welche schnell genommen wurden, und zeigten dort unter dem Regen der feindlichen Kugeln Muth und Todesverachtung ob­wohl jeder aus anderen Kompanien kam; so z.B. wurde NUSSBAUMER ,dessen Muth an Tollkühnheit grenzte, im Tiroler Boten rühmlich erwähnt. Franz STROBL von LANDECK verschoß nicht nur seine 72 Patronen, sondern bat noch einen Kaiserjäger um seine Munition und machte im Ganzen 107 Schüsse. Ebenso standen Johann DIA­LER, RUDIG Joseph, Andrä WITSCH, THURNES und KNABL und mehrere unserer Kompanie in der vordersten Reihe der Kämpfer dem feindlichen Feuer ausgesetzt.

Ehre dem Ehre gebührt

denn nicht gerade jener ist tapfer zu nennen, der das Unglück hat von einer feindlichen Kugel getroffen zu werden. Ich nenne jenen muthig und tapfer, der dem Tode kühn in`s Antlitz schauend, jenen Punkt zu gewinnen sucht, wo er dem Feind schaden kann.

Zu berichtigen ist hauptsächlich, daß entweder aus Unkenntnis oder Böswilligkeit ver­breitete Gerücht, daß die Zamser Schützen die Kanone bei der Kaserne verlassen hätten. Die Italiener bedrohten über den Monte Libero und durch die Galerien vorrückend die Kanonen. Eine Abtheilung Stamser Schützen waren dort als Bedeckung. Als Alois ÖTTL, ZIMMERMANN, Alois KRISMER, Fähnrich nebst meinem Burschen, die beor­dert waren, uns einige Erfrischungen nachzutragen, waren die einzigen von unserer Kompanie in der Nähe; sie eiferten die Mannschaft an, die Kanonen zu retten, und trugen auch hauptsächlich zu ihrer Rettung bei, was um so schwieriger war, als die Pferde wei­ter hinten standen und die Kanonen mit den Händen eine ziemliche Strecke unter be­ständigem Feuer der Feinde zurückgeschleppt werden mußten.


Als wir abends am 11. nach BURGEIS zurückmarschierten, und die am selben Tage in MALS eingerückte BLUDENZER Scharfschützen - Kompa­nie auf freundschaftliche Weise mit ihrer gut eingerichteten Musik uns entgegen gehen und begleiten wollte, ver­breitete sich abermals das irrige Gerücht, die ZAMSER Schützenkompanie habe sich aufgelöst und zerstreut. Die freundschaftliche Musikbanda kehrte um, und in einer halben Stunde darauf marschierte unsere Kompangnie in schönster Ordnung zur Verwunderung der Übrigen in MALS ein. Hatte auch unsere Kompangnie nichts Wesentliches geleistet, so haben doch einzelne von uns gewiß wenigstens soviel gewirkt, als einzelne von ande­ren Kompanien, und die ganze Kompangnie gewiß soviel, als jede andere Kompangnie. Wir kamen am 11. Abends spät mit Zurücklassung des gefährlich verwundeten NUSS­BAUMERS im Spitale zu GLURNS ganz ermattet nach BURGEIS zurück, blieben dort bis 19., wo wir gemäß Befehl nach TRAFOI marschierten, dort blieben wir bis 26., an welchem Tage wir die BREGENZER Schützenkompagnie am Wormserjoche ablösten. Am Wormserjoche auf der Ferdinandshöhe, auf diesem lange bestrittenen, unserem all­geliebten Kaiser geweihten Boden standen wir vom 26. August bis 9. September, be­wunderten dort die Festigkeit der italienischen Verschanzungen, und die gute Anlage derselben, und gestanden uns die Unmöglichkeit, mit den bisherigen Vorkehrungen aus diesen festen und weitläufigen Positionen den Feind je vertreiben zu können.

Am 27. August wurde auf der Ferdinandshöhe von unserem Herrn Feldkaplane SPEI­SER die erste heilige Messe gelesen. Zu beschreiben ist nicht der herzerhebende Ge­danke, hier in dem unermeßlich weiten Tempel der Natur mit wahrhaft großartiger Bauart, auf dem 10.000 Fuß hohen Strassenpunkte, dem höchsten Europas neben dem Grenzsteine von TIROL und der Lombardei nahe dem lombardischen Boden mitten auf der Straße auf einem von Brettern aus einer demolierten feindlichen Verschanzung zur Noth errichteten Altare die heilige Messe zu hören. Eines jeden Herz war voll innere Er­regung, ergriffen das Innerste über die Allmacht und Fügung Gottes an einem Orte, wo vielleicht nie das heilige Meßopfer vollbracht wurde, und nun geschieht es täglich um 7 Uhr Früh bis zu unserer Ablösung. Sonderbar erhebt es die Herzen in dieser feierlichen Stille, kein Glockenlaut, kein Trommelschlag, nur das leise Murmeln des Gebethes, das der schlichte TIROLER Schütze zum Himmel sendet, vernehmbar in diesem schönen, nicht zu beschreiben­den Dome des Schöpfers, der sich ihn selbst gebaut.

Am Wormserjoche blieben wir bis zum 9. d.M., wo wir von der BLUDENZER Schüt­zenkompangnie gemäß Ordre abgelöst wurden, und nach BRAD marschierten, wo wir ohne besondere Begebenheit durch 14 Tage verweilten. Gestern erhielten wir Befehl nach TRAFOI zu marschieren. Wie lange wir in TRAFOI zu verbleiben haben, wissen wir noch nicht, wahrscheinlich bis zu unserer gänzlichen Entlassung. Wir werden noch geduldig ausharren, mag noch kommen was da will und werden unsere Dienste als Scharfschützen für Gott, Kaiser und Vaterland getreulich erfüllen.

BRAD, den 23. September 1848 Joseph SEIFERT, Hauptmann


Ganz besonders dankte Hauptmann SEIFERT den Bewohnern von BURGEIS für die freundliche Aufnahme in der Tiroler Schützenzeitung am 12. Oktober 1848 :

"Die biederen Bewohner von BURGEIS zeichneten sich besonders durch ihre Freund­lichkeit aus, vorzüglich aber die Hochwürdige Geistlichkeit, Witfrau Gastwirthin MOR­RIGL und Gastwirth THEINER, welche eine größere Anzahl Schützen mit Liebe ver­pflegten."


Anläßlich des Gedenkjahres 1984 ist die Schützenkompanie ZAMS mit der Schützen­kompanie BURGEIS ein besonders kameradschaftliches Verhältnis eingegangen.


Zeugnis für die Schützenkompanie ZAMS vom Herrn Oberkommandanten, Gene­ralmajor Ritter von ROSSBACH :


Nro. 1195 Landesverteidigungs -Oberkommando.


Da die Kompagnie nach dem unterm 18.d.Mts. an den Herrn Defensi­ons-Kommissär DIETL in MALS ausgesprochenen Wunsche nach Beendi­gung der eingegangenen Dienstzeit wieder nach Hause zu gehen beabsichtigt, so wird von Seite des Oberkom­mando dieser Wunsch hiermit genehmigt, und die Kompanie kann seiner Zeit ohne weite­re Anfrage den Rückmarsch antreten.

Bei dieser Gelegenheit erfüllt das Oberkommando eine angenehme Pflicht, indem es der braven ZAMSER - KOMPANIE, welche größtenteils schon durch ihre Entfernung von zu Hause und ihren Geschäften bedeutende Opfer brachte, während ihrer Dienstzeit alle ihr zugekommenen Dienste mit größter Genauigkeit und zur vollkommensten Zufrieden­heit verrichtete, beim Angriff des Feindes am 11. August am STELVIO kräftigst mit­wirkte, alle Fatiquen des Patrouillen-und Vorpostendienstes mit der größten Bereitwil­ligkeit und Unverdroßenheit versah, und in moralischer Hinsicht gar nichts zu wünschen übrig ließ, meinen verbindlichsten Dank und die volle Anerkennung ihrer Verdienstlich­keit zu bezeugen mit dem Wunsche, wenn es die Umstände wieder erfordern sollten, abermals auf die brave ZAMSER KOMPANIE rechnen zu können, die ich hiemit insge­samt recht herzlich grüße

Botzen, am 20. September 1848.


Der Oberkommandant : ROSSBACH, G.M.



Über die Heimkehr der Schützenkompanie berichtet Hptm SEIFERT in der Tiroler Schützenzeitung Jahrgang 1848 Seite 350 und 351 wie folgt :

"Nachdem auch unsere Kompanie die eingegangene Dienstzeit von zwei Monaten voll­streckt hatte, kehrten wir gemäß der von Herrn Oberkommandanten Generalmajor Ritter von ROSSBACH eingelangten Bewilligung nach Hause zurück, und kamen am ersten Tage, am 1. Oktober von TRAFOI über PRAD , wo wir anhielten und uns die sehr freundschaftlich gesinnten Herren Offiziere der BLUDENZER Schützenkompanie mit ihrer herrlichen Musik bis AGUMS begleiteten, welche Kompanie wir überhaupt für ihr loyales, wahrhaft gut nachbarliches Benehmen durch beinahe zwei Monate stets zu schätzen uns verpflichtet fühlen, nach BURGEIS, am zweiten Tag nach NAUDERS, am 3. nach PRUTZ, wo am vierten Tag Rasttag gehalten wurde, um mit der gesamten Kom­panie nach KALTENBRUNN gehen zu können, und der Mutter Gottes für den 11. Au­gust am STELVIO ertheilten Schutz den schuldigen Dank zu erstatten. Hat auch keiner von uns die weiße Frau in Mitte der Schützen beobachtet, die nach Aussage - den wäl­schen sichtbar - die Deutschen beschützen soll, so ist doch keiner unter uns, der nicht den besonderen Schutz der heiligen Mutter anerkannt, und ihr den gebührenden Dank dafür zollen wollte.

Schon früh nachmittags kam der für das Schützenwesen äußerst thätige Herr Defensi­onsdistrikts - Kommissär Johann WITTING von LANDECK nach PRUTZ, bewill­kommte mit seiner gewohnten Herzlichkeit die Kompanie, und begleitete uns am anderen Tag bis nach ZAMS. Abends am 4. kam uns die Munsikbanda von ZAMS bis nach PRUTZ entgegen, spielte dort noch mehrere Stücke, übernachtete dort, und am 5. mar­schierten wir in ihrer Begleitung, den Schützen Jakob NUSSBAUMER, der am 11. Au­gust am STELVIO schwer verwundet wurde als den Helden der Kompanie, mit einem Lorbeerkranz umgehängt, an der Spitze nach ZAMS, wo wir von dem herzlichen Will­komm, der uns schon auf dem Weg von PRUTZ nach LANDECK von dem K.K Land­gerichts - Personale, das uns bis nach ZAMS begleitete, von dem Hochwürdigen Klerus von LANDECK nach ZAMS, dem Gemeindevorstande Herrn HAUEIS von ZAMS, und einer großen Menge von Menschen zutheil wurde, äußerst angenehm überrascht, und von der so freundschaftlichen Theilnahme innigst gerührt wurden.

In ZAMS war uns ein besonders herzlicher und rührender Empfang bereitet. Abgesehen von der großen Menschen - Menge, welche die ihrigen zu bewillkommen herbeiströmten, war es herzlich rührend zu sehen, wie auf einmal Schützen rechts und links auf der Stra­ße mit Säbeln, Hellebarden, und größtentheils hölzernen Gewehren versehen, aufgestellt waren, der Fähnrich mit dem Tambour obenan, und paradierten bis zu einem errichteten Bogen, auf dem die deutsche Fahne wehte. Ihr herzliches Vivatrufen war wirklich rüh­rend.

Der älteste von diesen Schützen war sieben Jahre alt. Herzlich rührend war es zu sehen, wie auf einmal aus dem Gedränge fünf weißgekleidete Mädchen, wovon das älteste ebenfalls kaum sieben Jahre alt war, hervortraten, jedes mit einem Blumenstrauße auf ei­nem weißen Teller in der Hand, das kleinste zwei Jahre alte noch mit einem Gedichte, das mit einem Blumenstrauße umwunden war, wovon jedem Offizier, und dem Herrn Feldkaplan ein Blumenstrauß überreicht wurde. So marschierten wir unter dem Knalle von Böllern bis zur Kirche, wo Halt gemacht wurde. Dann wurde von dem Hochwürdi­gen Herrn Dekan ein feierliches Hochamt mit Te Deum abgehalten, nach welchem sich die ganze Kompanie wieder aufstellte, worauf Herr Landesgerichts - Verwalter PLATT­NER an die ganze Kompanie eine eingreifende Anrede hielt, selber dankte und bath, wenn es die Gefahr des Vaterlandes erheischen sollte, wieder auf selbe rechnen zu dür­fen. Nachmittags versammelte sich die Kompanie noch einmal zu einem Trunke, welchen der Herr Defensionsdistrikts - Kommissär Johann WITTING der Kompanie spendete, zu einem Scheibenschießen, welches der Herr Ortsvosteher und Gast­wirth Alois HAUEIS veranstaltete, und zu letzten Abschiede, und ging dann unter wechselseitigem freund­schaftlichen Händedruck auseinander. Der ganze Tag war so feierlich, wie ein großer Festtag."


TIROLER SCHÜTZENZEITUNG 1853 Seite 568


Betr.Berichtigung vom" Gemsenjäger" NUSSBAUMER als Mitglied der

Schützenkompanie ZAMS.


Zams,am 15 10 1853

Als ich das Werk Tiroler Jägerregiment Kaiser Franz Josef I in den Jahren 1848 - 1849 von Josef STRAK KK Hauptmann las stieß ich auch auf die Beschreibung des Gefechtes auf dem STELVIO (Silfser Joch ) am 11. August auf Seite 252 - 254 ,wo der Schütze Josef NUSSBAUMER unter den Verwundeten als" Gemsenjäger" aufgeführt wurde. Ich glaube es der Ehre der Kompanie schuldig zu sein die Sache berichtigen zu müssen,daß dieser NUSSBAUMER bei diesem Gefechte nicht als Gemsenschütze,sondern als Schütze der Zamserischen Kompanie tätig war,wo er unter allem dem Feind am nächsten ,und zwar so nahe war, dass er mit demjenigen,welcher ihn verwundete einige italienische Schimpfwörter wechselte. Warum nun bei der sonstigen Detailerzählung des Werkes NUSSBAUMER als zufällig anwesender Gemsenschütze und nicht als Landesverteidiger aufgeführt wird,begreife ich nicht. NUSSBAUMER gehört zur Zamser Schützenkompanie,befand sich 18 Tage im Spital zu GLURNS in ärztlicher Behandlung und starb später im Spitale zu INNSBRUCK infolge seiner Verwundung,wo ihm bei seiner Beerdigung,die ihm gebührenden letzten Ehren leider nicht zuteil wurden. NUSSBAUMER ist zweimal ausgerückt,indem er schon im Jahre 1848 siehe Schüt­zenzeitung Nr 39 und Tiroler Bote Nr 106 als verwundet angeführt wurde. überdies geschieht in diesem Werk in der Beschreibung des Gefechtes am 11. August am STELVIO der Zamser Schützenkompanie mit keiner Silbe Erwähnung,als wenn sie gar nicht dabei gewesen wäre,da doch selbst gemäß Befehl des Truppenkommandanten HALLOY am 10 August von BURGEIS nach TRAFOI marschierte, wo sie abends um 9 Uhr eintraf und um 11 Uhr nach FRANZENSHÖHE weitermarschierte,wo dann gemäß Befehl des Herrn Hauptmannes WILLANESS vom Infanterieregiment WELLINGTON 2 Züge unserer Kompa­nie mit 2 Zügen der Kompanie WELLINGTON in stockfinsterer Nacht über den Berg der Korspitze zu;und die anderen 2 Züge mit den 2 Zügen WELLINGTONS unter persönlicher Anführung des Herrn Hauptmannes WILLANESS der Chaussee nach bis zum Anfang der Galerien ,um dort über den Berg Kleinboden zu marschieren, um sich dort mit den übrigen Truppen zu vereinigen. Während der ganzen Dauer des Gefechtes wirkte die Kompanie soviel mit wie jede andere. Nur 4 Schützen blieben bei unseren Kanonen bei der FRANZENSHÖHE und halfen durch ihre Unerschrockenheit und ihrem Mut Pferde und Kanonen vor der Vernichtung zu retten, denn es drangen schon die Insurgenten vom Monte LIBERO herab der FRANZENSHÖHE zu, weil dieser Posten schlecht besetzt war und schossen auf die Pferde und Mannschaft. Die Bespannungsmannschaft wäre zu schwach gewesen Kanonen und Pferde zu retten. Sie entfernten schnell die Pferde aus dem feindlichen Feuer und unsere Schützen zogen selbst mit großer Mühe die 2 Kanonen fort, währenddessen die Insurgenten infolge ihrer Übermacht selbst bis zur FRANZENSHÖHE vordrangen und an der Talsohle nach, wieder der Ferdinandshöhe zueilten. Die Kanonen und Pferde aber waren gerettet. Ich getraue mich daher ungescheut zu behaupten, während auf dem Kampfplatz auf dem Berge die Zamser Schützenkompanie ,siehe Schützenzeitung Nr. 39, das Ihrige tat, haben diese 4 Schützen auf der FRANZENSHÖHE zur Rettung der Kanonen und Pferde wesentlich beigetragen, was uns auch das sehr ehrenvolle und schmeichelhafte Zeugnis vom damaligem Landesverteidigungskommandanten Generalmajor Ritter von ROSSBACH , siehe Schützenzeitung Nr. 42 vom Jahre 1848 rühmlich bestätigen durfte.


Cuique suum Josef SEIFERT

Kommandant der Zamser Schützenkompanie


Lebenslauf von Hptm Josef SEIFERT :

Er wurde am 25. März 1810 in PRUTZ geboren, studierte Medizin, war 46 Jahre Ge­meindearzt in ZAMS. Rückte als Hptm der Schützenkompa­nie ZAMS 1848 zur Vertei­digung der Südgrenze (STELVIO) aus. War 33 Jahre Oberschütrzenmeister in ZAMS. Gründete den Veteranen - Verein in LANDECK und war langjähriger Vorstand dessel­ben. Heiratete 44 jährig Fräulein Elisabeth WACHTER eheliche Tochter des Alois WACHTER K.K Kanzlisten in LANDECK. Aus dieser Ehe entsproß ein Sohn namens Franz. Starb am 13. Juli 1889 im 80. Lebensjahr, geliebt und bedauert von Allen die ihn kannten.


Als im Jahre 1866 Preußen Österreich den Krieg erklärte glaubte Italien dem Ziel der Einigung wieder einem Schritt näher zu kommen und mobilisierte ebenfalls. Das Gericht LANDECK stellte eine Kompanie Landesverteidiger unter dem Kommando von Niko­laus WACHTER, Kanzleileiter der Bezirkshauptmannschaft auf. In dieser Kompanie dienten ebenfalls ZAMMER. Diese Kompanie wurde dem 12. Kaiserjägerbataillon un­terstellt und erhielt bei Le TEZZE die Feuertaufe. Nikolaus WACHTER war der Schwiegervater der Frau Rosina WACHTER, Bäckermeistersgattin in ZAMS, welche 1968 verstarb.


Im Jahre 1913 wurde der Schützenkompanie eine Fahne geweiht . Fahnenpatin war Rosa MUNGENAST


Nach dem 1. Weltkrieg wurde in ZAMS wieder eine Schützenkompanie aufgestellt, die im Jahre 1924 mit der Musikkapelle am 7. September bei der Krieger - Gedächtnisfeier in INNSBRUCK aufmarschierte.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kompanie im Jahre 1956 unter Hauptmann Siegfried FADUM und mit Hilfe des Bezirkskommandanten SchMjr ROILO wieder gegründet. Gründungsmitglieder, die heute noch Kompaniemitglieder sind waren: PRANTAUER Anton sen., TRAXL Konrad, TRAXL Walter, TRAXL Karl, SCHULER Valentin, TRÖBINGER Matthias und KOHLER Richard. Weitere Hauptleute waren RUDIG Jo­hann und KANITSCHEIDER Karl. Auf Obmann GRÜNER Andrä folgte STEINWEN­DER Emmerich, der diese Funktion seit dem Jahre 1965 bis 1994 ausübte. Ab dem Jahre 1994 hatte Hptm KANITSCHEIDER Karl auch die Obmannstelle inne. Nach STEINWENDER Kam JUEN und nach dessen Tode PINGGERA.

Mit Hilfe der Gemeinde hat die Kompanie bereits 2 Schützenheime ausgebaut. Als das erste Schützenheim zu klein geworden war, wurde es der Feuerwehr übergeben. Das neue Schützenheim hat immerhin fast 120 Sitzplätze, somit könnte die Kompanie noch weiter wachsen.


Im Jahre 1975 hatte die Kompanie eine Jungschützengruppe aufgebaut, bei welcher die Stärke mit 16 Jungschützen festgelegt wurde.


Da die Schützenfahne aus dem Jahre 1913 Alterserscheinungen zeigte, wurde im Jahr 1987 eine neue Fahne, welche der alten nachgemacht wurde, geweiht. Die Patenschaft über diese Fahne hat Frau Rosa PRANTAUER, Gattin des Bezirkskommandanten und Gründungsmitgliedes Anton PRANTAUER sen. übernommen.


Quellennachweis :


- Volksbote 1947 /Nr. 1 und 2 PLATTNER : Reichshöfe zu ZAMS

- Tiroler Schützenzeitung 1848 Seiten :275,315,342,350

- Tiroler Bote 1849 Seite 1090

- Tiroler Schützenzeitung 1852 Seite 244

- Tiroler Schützenzeitung 1853 Seite 568

- Tiroler Bote 1884 Seite 1293

- Tiroler Stimmen 1893 Seite 268

- Tiroler Bote 1894 Seite 594

- Tiroler Stimmen 1898 / Nr. 203

- Tiroler Anzeiger 25. September 1930

- Schlernschriften 134 Seite 21 - 28

-Böhm J.: Über die Tiroler Landesverteidigung im Jahre 1948 im Allgemeinen

und über den Anteil der Innsbrucker Universität an derselben,

Innsbruck 1849

- Jäger Albert :Engadienerkrieg im Jahre 1499 in : Zeitschrift

des Ferd.f.Tirol und Vorarlberg 1838

- Kolb Franz :Tiroler Volk in seinem Freiheitskampf 1796-1797,

Innsbruck 1957

- Hirn : Tirols Erhebung im Jahre 1809

- Der rote Aar,7. Folge :Festbericht Kriegergedächtnisfeier in

Innsbruck am 7. September 1924



STATUTEN

für den Bund der Prozessionsschützen von ZAMS.

(Josef PRANTAUER, Hauptmann von 1873 - 1895)

Bei der am 27. Juni 1886 abgehaltenen Versammlung der Prozessionsschützen wurde ein Schützenbund ins Leben gerufen und Folgendes festgesetzt.


1. Jedes Jahr wird eine Versammlung abgehalten werden, zu welcher sämtliche Prozessionsschützen zu erscheinen haben, wobei die nöthigen Auflagen gemacht werden; für heuer ist die Auflage bereits mit 10 Kreuzer für jedes Mitglied geschehen, und wird auf weiteres jedes Jahr nach Bedarf festgesetzt werden.


2. Diejenigen welche beim früheren Schützenbund in der letzten Zeit als der Bund aufgelöst wurde noch eingeschrieben waren und dort noch die jeweiligen Auflagen zum Schützenbund geleistet haben, sollen Antheil und Anspruch zum Eintritte in den neu ins Leben gerufenen Schützenbund haben, weil von den alten Bund noch ein Caßa Rest vorhanden ist, welcher zum neuen Bund verwendet wird, jedoch müßten dieselben heuer und jedes kommende Jahr die für den Bund festgesetzten Einzahlungen leisten.

3. Jedes Mitglied hat die erforderlichen Auflagen jedes Jahr zu erlegen, entweder bei der Schützenversammlung, welche auf weiterhin jedes Jahr am zweiten Sonntag nach Ostern, oder Cassianisonntag nach der Prozession stattfinden wird, oder wenn ein Mitglied dort zu erscheinen verhindert ist, so hat die Auflage beim jeweiligen Caßier zu geschehen.


4. Wenn ein Mitglied die erforderlichen Auflagen 4 Wochen nach der allgemeinen Schützenversammlung nicht erlegt, so ist derjenige aus dem Schützenbunde ausgeschlossen und verliert somit jeden Anspruch.


5. Stirbt ein Mitglied aus dem Bund, so soll demselben ein hl. Amt und eine hl. Meße aus dem Schützenfond gelesen werden, welches der jeweilige Caßier zu veranlaßen und beim Hochw. Herrn Dekan zu bestellen hat. Auch gebührt jedem Mitglied die feierliche Begräbniß, wozu jedesmal aus dem Stande der Mitglieder 4 Mann zum tragen der Leiche von der Parthei zu wählen sind, ferner haben zur Begräbniß sämtliche Schützen als Mitglieder welche nicht dringend verhindert sind, in Paradeadjustierung, das ist mit Schützenrock, Schützenhut und Gewehr auszurücken haben, diejenigen 4 Mann, welche zum Tragen der Leiche gewählt werden, haben auch als Schütze mit Rock und Hut auszurücken.

Die Zusammenkunft bei einer Begräbniß ist jedesmahl, wenigstens eine halbe Stunde vor der Begräbniß im Hofe beim Haueis, von wo aus die Abtheilung zum Leichenzug geführt wird.

Sollte der Verstorbene zugleich auch beim Feuerwehrbund sein, so gebührt das Tragen der Begräbniß der Feuerwehr, weil dieselbe länger besteht als unser Bund. Jedoch hat die Schützenabtheilung in diesem Falle gleich auszurücken.


6. Jedes Jahr wird bei der Schützenversammlung ein Caßier aus der Mitte der Mitglieder gewählt, welcher das Namensverzeichnis und die vorhandene Caßa zu führen, die Auflaggelder einzunehmen, die nötigen Auslagen zu bestreiten, und bei der nächsten Versammlung Rechnung zu legen hat.


7. Im Falle, daß der Schützenbund wieder einmahl sollte ganz aufgelöst werden, so ist das in der Caßa vorhandene Geld zu hl. Meßen für die lebenden und verstorbenen Mitglieder des Schützenbundes zu verwenden.


Zams, am 27. Juni 1886

Die Schützenversammlung